Kein Grund zum Feiern in Sachsen-Anhalt

Auf der heutigen Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz hat die DB AG wieder glänzende Ergebnisse verkündet. "Für Sachsen-Anhalt sind diese Ergebnisse kein Grund zum Feiern", kommentiert Christoph Erdmenger, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Bereits der Geschäftsbericht der Bahn 2006 zeige: Die Bahn ziehe ihre Gewinne im wesentlichen aus dem Regionalverkehr -  also dort, wo die Bahn am wenigsten investiere, aber durch langfristige Verträge vom Land am meisten Geld bekomme. "Diese Steuergelder brauchen wir in Sachsen-Anhalt aber für die Verbesserung des Schienenpersonennahverkehrs. Es ist zu schade, um in den Bilanzen eines privaten Konzerns zu verschwinden und die Braut für den Börsengang zu schmücken."

Eine genaue Analyse des Geschäftsberichtes der Bahn macht nach Auffassung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN deutlich, dass überall dort, wo direkt oder indirekt hohe Gewinnmargen von über 10 Porzent erzielt werden, der Schienenverkehr von der öffentlichen Hand finanziert wird. Ist die DB AG hingegen auf echtes wirtschaftliches Handeln wie z. B. im Fernverkehr und im Schienengüterverkehr angewiesen, liegen die Gewinnmargen weit unter 10 Prozent. Im zugekauften Logistikbereich wird hingegen sogar nur knapp die Gewinnzone erreicht.

Erdmenger folgert daraus: "In Sachsen-Anhalt haben wir fast nur Regionalstrecken - die Fernstrecken der DB laufen an den Rändern unseres Bundeslandes vorbei. Wenn die Bahn nun wie von der Bundesregierung inklusive ihres Netzes privatisiert wird, bekommt sie die Mittel in die Hand, weiterhin Wettbewerber aus dem Markt herauszuhalten. Damit wird Sachsen-Anhalt entweder gezwungen, weiter hohe Preise für Bahnleistungen zu bezahlen - oder die Regionalstrecken werden abgebaut. Beides kann nicht in Sachsen-Anhalts Interesse sein."

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Hintergrund:

Im Geschäftsbericht der Bahnd für das Jahr 2006 wird der Umsatz nach einzelnen Sparten ausgewiesen, bezüglich der Sparten dann allerdings nur der sog. EBIT, also der Gewinn vor Zinsen und Steuern. Damit ist aber der reale Gewinn noch nicht benannt, weil bei diesem noch die Zinsen abzuziehen sind. Die Bereiche Netz und Station&Service weisen sehr hohe Anteile für die sog. EBIT-Marge aus. Dort ist allerdings aufgrund des hohen Anlagenanteils auch die Verzinsung sehr hoch. Diese Zinsen wird jedoch für die Sparten nicht ausgewiesen, sondern nur für den Gesamtkonzern.

Hier einige Eckzahlen aus dem 2006er Geschäftsbericht:

*Fernverkehr:*
Umsatz: 3.234 Mio. €
EBIT: 124 Mio. €
EBIT-Marge somit ca. 3,8 %

*Regio:*

Umsatz: 6.480 Mio. €

EBIT: 690 Mio. €

EBIT-Marge somit ca. 10,6 %

*Netz:*
Umsatz: 548 Mio. €
EBIT: 100 Mio. €
EBIT-Marge somit ca. 18,2 %

*Railion:*
Umsatz: 3.194 Mio. €
EBIT: 226 Mio. €
EBIT-Marge somit ca. 7,1 %

*Schenker:*
Umsatz: 13.232 Mio. €
EBIT: 367 Mio. €
EBIT-Marge somit ca. 2,8 %

*Konzern gesamt: *
Umsatz: 30.053 Mio. €
EBIT: 2.477 Mio. €
EBIT-Marge somit ca. 8,2 %
Gewinn nach Steuern und Zinsen: 1.680 Mio. €