Keine Frauen in kommunalen Spitzenpositionen

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen-Anhalt kritisieren, dass in Sachsen-Anhalt immer weniger Frauen in Spitzenpositionen zu finden sind. Nach den Kommunalwahlen ist keiner der Landräte und auch keiner der Vorsitzenden der Kreistage und Stadträte mehr weiblich.

"In den Kreistagen und Gemeinderäten geht es um Entscheidungen, die die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld betreffen, die das alltägliche Lebensumfeld und die Lebensbedingungen prägen", so Landesvorstandsmitglied Christina Weigel, die auch Mitglied des Kreistages Salzland ist. "Es geht konkret um Kindertageseinrichtungen, um die Situation von Familien, um den Öffentlichen Personennahverkehr, um Schulentwicklung und Freizeiteinrichtungen, also um Bereiche, in denen sich Frauen mit ihren Lebensweisen und Sichtweisen unbedingt einbringen sollen."

Die Realität nach den Kommunalwahlen im Frühjahr: Alle Landräte sind Männer und auch die Vorsitzenden der Kreistage sind ausschließlich Männer. Und dies, obwohl es immerhin zehn Bewerberinnen für das Amt der Landrätin gegeben hat. Lediglich Halle darf sich als einzige der drei kreisfreien Städte einer Oberbürgermeisterin rühmen. Da verwundert es nicht, dass der Frauenanteil in den derzeitigen Stadträten und Kreistagen von Sachsen-Anhalt im Durchschnitt bei weniger als 20 Prozent liegt. Nur jede vierte Bewerbung zu den diesjährigen Kreistagswahlen war die einer Frau. Weigel: "Nach unseren Erfahrungen sehen sich die wenigen Frauen häufig in den Räten einer Übermacht an `altgedienten´und älteren Männern gegenüber, die weibliche Mitarbeit auch nicht unbedingt willkommen heißen", so Weigel.

Der Frauenmangel zeige sich auch in anderen Bereichen. "Der Hinweis, dass jeder Kreistag selbst entscheidet, zieht nicht", so Weigel. Denn auch in allen drei neuen Polizeidirektionen, also einem Bereich, den die Landespolitik entscheidet, werde es zukünftig ausschließlich Männer als Präsidenten geben. Die bisherigen Präsidentinnen von Magdeburg, Dessau und Halberstadt seien seit dem 1. Juli 2007 im Innenministerium "untergebracht".

"Mag dies als Niederlage für die Frauen erscheinen, so ist dies jedoch eine Niederlage für uns alle", ist Weigel überzeugt und nimmt ihre eigene Partei nicht davon aus. "Auch bei uns ist nur ein Viertel der Kreistagsmitglieder weiblich – das ist zu wenig". Dies mache deutlich, dass Bedingungen und Voraussetzungen für ein politisches Engagement von Frauen schlechter werden.

"Politik braucht die weibliche Sichtweise! Es muss gelingen, dass Frauen in allen Bereichen, vor allem aber in der Politik zahlenmäßig gleichermaßen repräsentiert sind, mitentscheiden und Verantwortung übernehmen", so Weigel abschließend. "Frauen gehen oftmals mit sozialen und ökologischen Fragen verantwortungsbewusster um und haben dabei besonders die Zukunft der nachfolgenden Generationen im Blick."

twitter

wurzelwerk klein
Web 2.0 neu
Partei ergreifen - Mitglied werden!
button rss