Kinderarmut bleibt zentrales Problem

"Eigenlob nach den Ergebnissen des gestern veröffentlichten Familienatlas 2007 ist unangebracht", so die sozialpolitische Sprecherin des Landesverbandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Inés Brock. "Wer sich die Indikatoren und Ergebnisse genauer ansieht, wird feststellen, dass Sachsen-Anhalt keineswegs besonders viel Familienfreundlichkeit liefert."

Sicher würden immer noch überdurchschnittlich viele Kinderbetreuungsplätze angeboten und die demografisch bedingten kleinen Klassengrößen an Schulen gaukelten gute Lernbedingungen vor. Aber der Bericht frage nicht nach Armut und Gesundheit. Brock: "Euphorie ist völlig unangebracht, denn selbst die Autoren des Berichtes weisen bei der Bewertung darauf hin, dass die vorhandenen Ressourcen bewusst eingesetzt werden, um schwache wirtschaftliche und demografische Rahmenbedingungen für Familien auszugleichen."

Und weiter: "Die hohen Armutsraten für Kinder in Sachsen-Anhalt reduzieren sich nicht, wenn die Grundstückspreise für Eigenheime in der Altmark sinken. Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht dadurch, dass mancherorts die Klassen nicht gefüllt werden können." Nach Ansicht Brocks erscheinen die Indikatoren des Berichtes ungeeignet, wirksame Instrumente zur Familienförderung für Sachsen-Anhalt zu bewerten." Kürzungen in der Erziehungshilfe, bei Schwangereinberatungsstellen und im Freizeitbereich seien der falsche Weg. Für eine Familie, die keine gesunde Ernährung finanzieren könne, sei die billige Dreiraumwohnung im Abrissgebiet als Indikator für Familienfreundlichkeit ein Hohn. "Wir brauchen in Sachsen-Anhalt endlich eine Strategie gegen Kinderarmut. Das ist familienfreundlich!"