Qualitätsoffensive für Kindertagesstätten gefordert
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt sind um die Qualität der Krippenbetreuung im Land besorgt. Experten empfehlen ein Betreuungsverhältnis von drei bis vier Kindern pro Erzieherin. In Sachsen-Anhalt muss sich im Durchschnitt eine Erzieherin jedoch um etwa sieben Kinder kümmern. Damit weist Sachsen-Anhalt nach Brandenburg das zweitschlechteste Betreuungsverhältnis auf. "So kann keine professionelle Krippenbetreuung gewährleistet werden", stellt Claudia Dalbert, bildungspolitische Sprecherin, fest.
Die Bündnisgrünen fordern daher für Sachsen-Anhalt eine Qualitätsoffensive für Kitas. "Wir brauchen Qualitätsstandards, die sowohl die materielle und personelle, aber eben auch die pädagogische Qualität von Kitas definiert und vergleichbar macht. Schon jetzt ist klar, dass nur eine deutliche Personalaufstockung den Erzieherinnen und Erziehern eine qualitätsvolle Arbeit erlaubt und für die Kinder die bestmöglichste Förderung bereitstellt", so Claudia Dalbert.
Eine von der Bertelsmann Stiftung vorgelegte Studie belegt deutlich den positiven Bildungseffekt des Krippenbesuchs. Kinder, die im Alter bis drei Jahren in einer Krippe waren, besuchten mit höherer Wahrscheinlichkeit später ein Gymnasium als Kinder, die keine Krippen besucht hatten. Insbesondere konnte der Krippenbesuch die Bildungschancen von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen verbessern. Dalbert: "Bildungsinvestitionen müssen demnach bereits sehr früh beginnen. Insofern sind politische Maßnahmen zum Ausbau von Krippenplätzen zu begrüßen. Mit ihrem Vorschlag, auch kommerzielle ("privat-gewerbliche") Kindertagesstätten zu bezuschussen, gehe Bundesfamilienministerin von der Leyen jedoch den falschen Weg und gefährde die Versorgungsqualität in Kitas.
Dalbert führt aus: "Kommerzielle Anbieter müssen daran interessiert sein, Gewinne zu erzielen. Darum müssen sie die Kosten senken, indem sie zum Beispiel mehr Kinder von weniger und schlechter ausgebildetem Personal betreuen lassen. Dies senkt die Personalkosten und erhöht so die Renditechance. Einen Markt, der eine schleichende Qualitätsaushöhlung verhindern könnte, gibt es nicht. Weder gibt es eine ausreichende Versorgung mit Kitaplätzen am Ort, der den Eltern eine tatsächliche Wahl ermöglichen würde, noch gibt es Qualitätsstandards, die den Eltern einen Qualitätsvergleich der unterschiedlichen Angebote ermöglichen würden. Schließlich ist damit zu rechnen, dass nur städtische Regionen mit hoher Kaufkraft von einem so subventionierten Ausbau von Kitaplätzen profitieren würden."
Der bündnisgrüne Landesvorsitzende Christoph Erdmenger ergänzt: "Mehr Personal für Kitas ist möglich. Voraussetzung ist, dass die Kommunen unseren haushaltspolitischen Vorschlag umsetzen und eine Basisarbeitszeit von 30 Stunden im öffentlichen Dienst einführen. Die freiwerdenden Mittel können dann für prioritäre Ausgaben, z.B. für die Aufstockung oder Einstellung gut ausgebildeter Erzieherinnen und Erzieher verwandt werden."