Kein Böhmersches konservatives Familienmodell aufzwingen lassen
"Zielgruppenorientierte Familienpolitik heißt, sich an Bedürfnissen der gegenwärtig hier lebenden Familien zu orientieren", so Inés Brock, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, nach der Gründung einer Arbeitsgruppe "Familienpolitik" innherhalb des bündnisgrünen Landesverbandes in dieser Woche. "Nach der Ankündigung des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, ein familienpolitisches Konzept vorlegen zu wollen, sind wir bereit, in eine konstruktive Diskussion einzusteigen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN werden noch offensiver an dieses Politikfeld herangehen als bisher", fügte sie hinzu. Es gelte, dem Land kein Böhmersches konservatives Familienmodell aufzwingen zu lassen.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer hatte in seiner Regierungserklärung vom 1. April 2004 das "Handlungskonzept zur nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung in Sachsen-Anhalt" angekündigt. Zu erwarten ist vermutlich ein Programm, das primär Geburtsanreize schaffen will, so Brock. "Wir befürchten eine Kampagne, die nicht auf den bestehenden Strukturen zur Familienförderung aufbaut", sagte sie. Und weiter: "Eine Reduzierung von Angeboten der Familienbildung und- beratung ist für uns nicht akzeptabel. Ein Landesfamilientag ist unnötiges Bramborium. 365 Tage des Jahres müssen Familientage sein."
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist die kindorientierte Perspektive Maßstab des politischen Handelns. "Wir brauchen verlässliche Unterstützungssysteme zur Erziehungsbefähigung für Eltern ebenso wie eine Kultur der Anerkennung für Elternleistungen und die Wertschätzung individueller Sorgebeziehungen", sagte Brock. "Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft abzubauen, ist auch Familienpolitik", fügte sie hinzu.
Lebendige Familienpolitik muss nach Ansicht von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, auch in der Arbeitswelt, bei der Gesundheitsförderung und im Bildungssystem angesiedelt sein. "Wir brauchen Zukunftsgestaltung in der Gegenwart durch sichere und attraktive Lebensorte für Kinder - in der Schule, im Wohngebiet, in den Familien", sagte Brock.