VNG muss unabhängig bleiben

Zu dem in Halle diskutierten Verkauf der Anteile der Stadtwerke an der Verbundnetz Gas AG an die niedersächsische EWE erklären Kerstin Andreae, wirtschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Christoph Erdmenger, Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt:

"Wir appellieren an die Stadtwerke Halle, keinesfalls seine Anteile an der VNG an die EWE zu verkaufen. Halle würde damit der ostdeutschen Wirtschaft, dem Energiemarkt in Deutschland und damit dem Ruf der Stadt schweren Schaden zufügen.

Ob es für Stadtwerke und Stadt Halle richtig ist, sich von den Anteilen an der VNG zu trennen, vermag nur die Kommunalpolitik vor Ort zu klären. Die Stadt Halle bekäme Einnahmen, würde aber Einfluss und damit wirtschaftliches Potenzial beispielsweise mit Blick auf die örtliche Biogasfirma EnD-I verlieren, an der die VNG Anteile hält. Für einen solchen Verkauf liegen den Stadtwerken Halle aber Angebote der anderen ostdeutschen Kommunen in der VNG vor.

Der Verkauf der Anteile an EWE ist jedoch keine Entscheidung von allein lokaler Tragweite. Sie würde dem deutschen Gasmarkt, der deutschen Klimapolitik und der ostdeutschen Wirtschaft schweren Schaden zufügen. Wenn die VNG als drittgrößter deutscher Gasversorger mehrheitlich in die Hände der EWE gerät, kommt sie auch unter den Einfluss der vier großen Energieriesen, in diesem Fall der EnBW. Die Chancen für umweltfreundliche KWK-Anlagen auf preisgünstige Gasverträge sinken damit weiter, weil diese bei der Stromproduktion in Konkurrenz zu den Großkraftwerken der vier Energiekonzerne stehen. Auch der Schaden für die ostdeutsche Wirtschaft wäre enorm. Ostdeutschland würde eines der wenigen Unternehmen in regionaler Hand verlieren. Solche Unternehmen haben ein Eigeninteresse am Aufbau von gesunden Wirtschaftsstrukturen in der Region.

Wir appellieren an Halles Oberbürgermeisterin: Frau Szabados, kehren Sie ins Lager der Vernunft zurück!"