Grüne Forderung: Förderschule schrittweise auflösen!
Sachsen-Anhalt hat im Bundesvergleich einen sehr hohen Anteil an Förderschülerinnen und -schülern, von denen nur ein Bruchteil innerhalb der Regelschule (5%) gefördert wird. Claudia Dalbert, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: "Für die Förderung der FörderschülerInnen gibt Sachsen-Anhalt laut der Rechnungen des Bildungsforschers Klemm insgesamt zusätzlich zu den ohnehin entstehenden Beschulungskosten 84,5 Millionen Euro aus. Es wäre sehr viel effektiver, wenn diese finanziellen Mittel in einem inklusiven Schulsystem in den gemeinsamen Unterricht fließen würden."
Hier könnten die Zusatzstunden gebündelt werden und die nicht-lehrenden Fachkräfte, die ehemals an den Förderschulen waren, die multiprofessionellen Teams der Regelschulen verstärken. Schließlich würden sich in vielen Fällen die Fahrzeiten und damit Belastungen und Kosten verringern. Dalbert: "Wir fordern, dass endlich Ernst gemacht wird mit der UN-Konvention, die das Recht auf inklusiver Erziehung festschreibt. Statt weiterhin das Geld für Sonderwege auszugeben, die für die Mehrzahl aller Kinder in eine Sackgasse münden, muss Sachsen-Anhalt endlich damit anfangen, die Förderschule schrittweise aufzulösen und die Kinder mit speziellen Förderbedarf samt Personal der Förderschulen in die Regelschulen zu integrieren und so den Kindern bessere Erfolgschancen zu eröffnen. Das wäre eine sinnvolle Investition der 84,5 Millionen Euro jährlich."
Hintergrund: Neben den Gymnasien und Sekundarschulen haben wir in Sachsen-Anhalt eine ausdifferenzierte dritte Säule, das System der Förderschulen. Studien wie zuletzt die des Bildungsforschers Klemm belegen immer wieder, dass dieser deutsche Sonderweg wenig erfolgreich ist. Wörtlich heißt es hierin: "Die Leistungen von Förderschülerinnen und -schülern entwickeln sich demnach ungünstiger, je länger sie auf der Förderschule sind. In Deutschland schafft nur ein Bruchteil der Förderschülerinnen und –schüler den Sprung zurück auf eine allgemeine Schule. Im Ergebnis machen am Ende der Pflichtschulzeit 77,2 Prozent von ihnen keinen Hauptschulabschluss. Kinder mit besonderem Förderbedarf, die im Gegensatz dazu im gemeinsamen Unterricht mit Kindern ohne Förderbedarf lernen und leben, machen im Vergleich deutlich bessere Lern- und Entwicklungsfortschritte. Zudem profitieren auch die Kinder ohne Förderbedarf vom gemeinsamen Unterricht, indem sie höhere soziale Kompetenzen entwickeln, während sich ihre fachbezogenen Schulleistungen nicht von den Leistungen der Schülerinnen und Schüler in anderen Klassen unterscheiden".