„Trotz gleicher Leistungsfähigkeit und vergleichbaren Leistungen haben in Sachsen-Anhalt Arbeiterkinder eine dreimal geringere Chance, das Gymnasium zu besuchen, als Kinder aus höheren Schichten. Auch die heute vorgestellte Schulstudie bestätigt: Unsere Schulen sind ungerecht. Wie der renommierte Bildungsforscher Wilfried Bos auf Grundlage der großen Iglu-Bundesländerstudie gerade vorgestellt hat: In Sachsen-Anhalt hat ein Kind mit höherer sozialer Herkunft eine 3,2 mal so hohe Chance von der LehrerIn eine Gymnasialempfehlungen zu bekommen als ein Kind mit gleichen kognitiven Fähigkeiten und gleicher Leseleistung, aber sozial geringerer Herkunft. Und diese soziale Schieflage ist in Sachsen-Anhalt deutlich stärker ausgeprägt als im Bundesdurchschnitt“, so die Landesvorsitzende Claudia Dalbert.
“Dies zeigt einmal mehr: Wir müssen endlich die Wurzel des Übels anpacken. Die frühe Zuweisung zu unterschiedlichen Schulformen und damit Lebenschancen hat weniger mit der individuellen Leistungsfähigkeit zu tun, sondern mehr mit der sozialen Herkunft. Vor dem Hintergrund dieser Befundlage ist es ein Skandal, wenn die Große Koalition im Verein mit der FDP auf der bisherigen Schulstruktur beharrt. Wir müssen endlich von dem Gedanken weg kommen, dass wir mit unterschiedlichen Einheitsschulen wie der Sekundarschule oder dem Gymnasium den Leistungspotentialen und Bildungserfordernissen unserer Kinder gerecht werden. Diese unterschiedlichen Schulformen dienen in erster Linie der sozialen Aufteilung der Kinder nach Herkunft. Im 21. Jahrhundert ist aber kein Platz mehr für eine solche Ständeschule. Statt Einheitsschule brauchen wir eine Schule, die für alle Kinder ein individuelles Bildungsangebot bereit hält und auf ihre Lerngeschwindigkeiten, ihre Interessen, ihre Lernschwierigkeiten und ihre besonderen Leistungsfähigkeiten eingeht. Wir brauchen eine Gemeinschaftsschule, in der die Kinder länger gemeinsam lernen und die LehrerInnen ihre ganze Energie und Kreativität darauf verwenden, jedem einzelnen Kind das beste Bildungsangebot zu machen anstatt dazu verpflichtet zu werden, fragwürdige Zuweisungsprozesse vorzunehmen.“