Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt
"Zwischen Billiglöhnen und Leiharbeit – Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt", war eine bündnisgrüne Diskussionsveranstaltung 29.Oktober 2010, in der IHK Halle-Dessau überschrieben. Zum Thema diskutierten Sabine Lange, stellv. Landesbezirksleiterin, ver.di Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Antje Bauer, Geschäftsführerin Starthilfe und Unternehmensförderung der IHK Halle und Beate Müller-Gemmeke MdB, Sprecherin für Arbeitnehmerrechte der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unter der Moderation von Prof. Claudia Dalbert, Landesvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt
Obwohl Frauen heute durchschnittlich höhere und bessere Bildungsabschlüsse als Männer erreichen, sind sie in zukunftsträchtigen Berufen und Entscheidungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Frauen schneiden bereits in der Ausbildung bei Vergütung, Überstundenausgleich und Urlaubstagen schlechter ab als ihre männlichen Kollegen. Dieses Phänomen zieht sich durch das ganze Berufsleben von Frauen. Denn auch nach der Ausbildung verdienen Frauen immer noch durchschnittlich 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Eine weitere Tatsache: Viele Frauen sind gezwungen, sich im Niedriglohnsektor zu verdingen. 4,53 Millionen Frauen - das ist fast jede dritte erwerbstätige Frau - arbeitet für einen Niedriglohn. Ebenso hoch ist ihr Anteil an den Teilzeitbeschäftigten oder den geringfügig Beschäftigten.
Eine eigene Existenzsicherung oder langfristige Familienplanung sind oftmals nicht möglich. Der Boom in der Leiharbeitsbranche als Mittel zum Lohndumping und die zunehmende Befristung von Arbeitsverträgen verstärken dieses Problem zusätzlich.
Die Erwerbstätigkeit von Frauen ist in den letzten Jahren zwar kontinuierlich gestiegen, doch noch immer sind wir weit entfernt von einer Gleichbehandlung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt. Dabei birgt eine Gleichstellung von Männern und Frauen für den Arbeitsmarkt die Chance, neue
Wissens- und Erfahrungspotenziale aufzunehmen und auch die Möglichkeit, dem drohenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuarbeiten.
Die Diskussion drehte sich darum, welche Rahmenbedingungen Politik und Wirtschaft schaffen müssen, damit Frauen nicht weiter auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Es ging etwa um Frage der Begrenzung von Leiharbeit und um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Stichworte dabei: Mindestlöhne, Tariflöhne, gleiche Aufstiegschancen, Frauenquote, wirtschaftlicher Aufschwung und demografische Entwicklung.

Es diskutierten (von links): Beate Müller-Gemmeke (MdB), Antje Bauer (IHK), Claudia Dalbert (Grüne) und Sabine Lange (verdi).