Grüne verlangen Untersuchung auch am Endlager Morsleben
Grüne verlangen Untersuchung auch am Endlager Morsleben
Erhöhte Leukämieraten im Bördekreis
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sachsen-Anhalt fordern eine gründliche
Untersuchung der Krebserkrankungen im Umfeld des Endlagers Morsleben in
Sachsen-Anhalt. In der letzten Woche war bekannt geworden, dass es rund
um das Endlager Asse in Niedersachsen erhöhte Leukämieraten gibt. Die
BÜNDNISGRÜNEN in Sachsen-Anhalt machen darauf aufmerksam, dass das
Krebsregister auch für den Landkreis rund um das Endlager Morsleben fast
doppelt soviele Leukämiefälle berichtet wie für den Bundesdurchschnitt.
"Die Zahlen aus dem Krebsregister sind erschreckend. Es ist wie in der
Asse: Keiner kann den Zusammenhang zum Atommüll beschreiben, aber die
Erkrankungen sind real. Wir brauchen gründliche Untersuchungen." fordert
der Landesvorsitzende Christoph Erdmenger.
In einem ehemaligen Salzbergwerk in Morsleben wurde seit den 70er Jahren
radioaktiver Abfall eingelagert. Auch nach dem Mauerfall nutzte die
Bundesregierung das Bergwerk für einige Jahre als Endlager. Von 1971 bis
zum 1990 wurden 14400 Kubikmeter (m³) Abfälle eingelagert, hingegen
22.321 m³ zwischen Januar 1994 und September 1998. Für das Endlager ist
ein Stillegungsverfahren eingeleitet, zur Zeit besteht z.B. über die
Abwetterschächte noch direkter Kontakt zur Außenwelt.
In der Samtgemeinde Asse waren im Krebsregister höhere
Leukämiererkrankungsraten bei Männern festgestellt worden.
Sachsen-Anhalt ist Teil des Gemeinsamen Krebsregisters der Länder
Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der
Freistaaten Sachsen und Thüringen. Dort wird die Zahl der neuen
Krebserkrankungen pro Jahr registriert und durch eine Umrechnung auf
eine Rate pro 100.000 Einwohner vergleichbar gemacht. Angegeben sind nur
Zahlen pro Landkreis, keine gemeindegenauen Zahlen.
Signifikant höher sind die Leukämieerkrankungen bei Männern im
Landkreis. Für die Jahre 2001-2005 gibt das Krebsregister
durchschnittlich 12 Neuerkrankungen an Leukämie bei Männern an, das
entspricht 19 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Der Bundesdurchschnitt in
dieser Zeit lag bei 10,3. Für die Jahre 2005-2007 finden sich Angaben
für den inzwischen größeren Landkreis Börde, der auch den Altlandkreis
Börde umschliesst, in dem es zwischen 2001-2005 mit 12,4 keine
statistisch-relevante Häufung gegeben hatte. Im gemeinsamen Landkreis
Börde liegt die Leukämieerkrankungsrate mit 16,6 pro 100.000 Einwohnern
pro Jahr. Im gleichen Zeitraum war die Erkrankungsrate in Sachsen-Anhalt
von 13,1 auf 12,6 gesunken.
"Die Statistik gibt einen Warnhinweis." bewertet Erdmenger die Zahlen.
"Jetzt müssen genauere Untersuchungen in den Gemeinden rund um Morsleben
erfolgen. Wenn dann höhere Werte als im restlichen Sachsen-Anhalt
festgestellt werden, müssen Detailuntersuchungen zu den Ursachen her."
Link zu dem Gemeinsamen Krebsregister:
http://www.berlin.de/gkr/index.html