PM Nr.77-05 vom 12.07.2005

Hochschulpolitisches Leitbild: "Investitionsbegriff neu definieren"

Die Unterfinanzierung des deutschen Bildungssystems ist das entscheidende Zukunftsproblem Sachsen-Anhalts. Daher haben BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Anfang des Jahres eine Arbeitsgruppe aus grünen FachpolitikerInnen und grünen Hochschulgruppen des Landes eingesetzt, um eine Vorlage für ein Hochschulpolitisches Leitbild zu erstellen. Nach einer Fachanhörung mit wichtigen Akteuren des Hochschulbereiches wurde der Entwurf überarbeitet und am gestrigen Abend vom Landesvorstand beschlossen. Beim Kleinen Parteitag Ende September 2005 soll das Hochschulpolitische Leitbild beschlossen werden.

"Die Erfordernisse eines zukunftsfähigen Bildungssystems und der demographischen Entwicklung machen es unerlässlich, deutlich mehr finanzielle Ressourcen in die Bildung zu lenken", so Landesvorsitzende Inés Brock bei der Vorstellung des Papiers. Der entscheidende Baustein der bündnisgrünen Bildungspolitik sei es, den Investitionsbegriff neu zu definieren. "Denn nur, wenn von anderen Bereichen finanzielle Mittel umgeschichtet werden, ist eine Bildungsexpansion erreichbar."

Brock weiter: "Die einzige Infrastruktur, in die zu investieren sich lohnt, sind intellektuelle Strukturen - Straßen haben wir genug. Wer wie die Landesregierung keine Perspektiven bietet, darf sich nicht wundern, wenn junge Leute das Land verlassen und zu wenig neue Unternehmen entstehen."

 

Das 35-seitige Papier umfasst folgende Schwerpunkte:

1. Hohes Augenmerk auf die Übergänge im Bildungssystem richten

Es muss endlich ein umfassendes Beratungssystem zwischen Schulen und Hochschulen entwickelt werden, um jungen Menschen ausreichend Informationen für eine gute und erfolgreiche Studienplatzwahl zur Hand zu geben. Auf der anderen Seite wollen wir die Hochschulen in die Verantwortung nehmen, die Übergänge in erfolgreiches Berufsleben zu begleiten.

2. Bildungsgerechtigkeit herstellen

Bildung ist für uns die soziale Frage der Zukunft, davon hängen die Teilhabemöglichkeiten der jungen Generationen ab. Junge Menschen dürfen nicht durch Studiengebühren vom Studium abgehalten werden. Vielmehr gilt es, endlich durch ein ausreichendes, elternunabhängiges Studienfinanzierungssystem für ein intensives Studium zu sorgen. Wir brauchen deutlich mehr junge Menschen, die die Gelegenheit zum Studium bekommen.

3. Bedeutung der Wissenschaft anerkennen

Forschungsförderung muss als zweite, eigenständige Säule der Hochschulpolitik gesehen werden - unabhängig von Studierendenprognosen. Die Grundfinanzierung für die Forschung ist zu sichern, um weitere Finanzierungsquellen (Drittmittel, etc.) zu erschließen. Hierzu gehört auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

4. Bildungsexpansion herbeiführen

In einer globalisierten Welt sind gut ausgebildete Arbeitkräfte der wichtigste Standortfaktor überhaupt geworden - Deutschland wird seinen Wohlstand nur mit wissensintensiven neuen Produkten und Verfahren sichern können. Ein Ausbau der Forschungsmöglichkeiten an allen Hochschulstandorten des Landes bietet die einzige Chance für eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

5. Profilbildung durch Studierendenfreundlichkeit

Damit junge Menschen und ambitionierte Forscher und Forscherinnen in Sachsen-Anhalt ihre Heimat finden, brauchen wir die besten Lehrbedingungen, die frauenfreundlichste Karriereförderung und die familienfreundlichsten Hochschulen.

 


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