PM Nr.87-05 vom 18.08.2005

Zur rechtsextremistischen Tat in Zerbst

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN dringen auf eine Positionierung von Stadt und Kreis zum Zwischenfall auf dem Zerbster Heimatfest am 30. Juli 2005, bei dem ein 16-Jähriger schwer verletzt wurde. "Wir sind schockiert von dem, was geschehen ist und nehmen nicht hin, dass die Stadt den Vorfall als Dumme-Jungen-Streich abtut. Es war ein Angriff auf Leib und Leben mit rechtsextremistischem Hintergrund", so Kreisvorsitzende Kornelia Küllenberg. Auf der Kreisverbandssitzung am gestrigen Abend beschlossen die Grünen, gemeinsam mit anderen Parteien und Initiativen einen Runden Tisch gegen Rechtsextremismus in Anhalt-Zerbst zu gründen und Workshops zu organisieren.

Hintergrund: Wegen seines T-Shirts mit der Aufschrift "Gegen Nazis" bekam ein Jugendlicher ein Bierglas ins Gesicht geschlagen. Das Opfer liegt seitdem im Krankenhaus und hat inzwischen drei Operationen am rechten Auge hinter sich. Es wird dauerhafte Sehschäden davontragen. Der Staatsschutz ermittelt wegen schwerer Körperverletzung.

Der bündnisgrüne Rechtsextremismus-Experte Sebastian Striegel, grüner Kandidat zur Bundestagswahl im Wahlkreis 75, sieht viele offene Fragen: "Wie konnte eine solche Tat inmitten von Menschen auf einem Volksfest geschehen? Wie ist das merkwürdige Vorgehen der Polizei zu erklären? Warum wurde die Öffentlichkeit viel zu spät informiert?"

Die Bündnisgrünen brachten in Erfahrung, dass eine starke Präsenz einer Neonazi-Kameradschaft aus dem Jerichower Land auf dem Zerbster Heimatfest zugegen war. Es handelte sich um die "Weiße Staffel Jerichower Land". Sie wurden an mindestens zwei Tagen in einer größeren Gruppe dort gesichtet, da sie eine Art Gruppenjacke trugen, die eine Applikation des deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 zeigt und die Aufschrift des Gruppennamens trägt. Inwieweit der Täter aus dieser Gruppe stammen könnte, ist bisher nicht geklärt.


© BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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