Joschka on tour - Erlebnisse in Dessau und Magdeburg

Joschka Fischer in Dessau und Magdeburg

Schutz der Elbe fortsetzen
Die Sonne hat den Sieg über die Wolken errungen. Passendes Strahlewetter an der Elbe, als der Bus mit der fetten Aufschrift "Joschka kämpft" am Kornhaus in Dessau direkt an der Elbe vorfährt. Schnurstraks geht's in den Biergarten zum "Picknick mit Joschka" – zu lockerem Gespräch mit Sympathisanten, Gästen, Erstwählern bei Salzbrezeln und O-Saft.  Für den "Stargast" Joschka Fischer gibt es Salbei-Tee, der angegriffenen Stimme wegen (die sechswöchige Wahlkampftour mit Reden vor tausenden Menschen fordert ihren Tribut). Gemeinsam mit Mitgliedern der Bürgerinitiative "Pro Elbe" wird u.a. das Thema Staustufen an der Elbe erörtert. So ein "Irrsinn" müsse verhindert werden. "Ich bin der Meinung, dass der Schutz der Elbe fortgesetzt werden muss", sagt der grüne Spitzenkandidat.

Fischer in Dessau 24.8.2005
Joschka Fischer im Gespräch mit dem Direktkandidaten Ernst-Paul Dörfler und der Politischen Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke.

Nicht das Fell über die 'Ohren ziehen lassen

Am Abend spricht Joschka Fischer in Magdeburg. Rund 1.500 Menschen sind auf den Alten Markt gekommen, um den Spitzenkandidaten von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Außenminister der Bundesrepublik, zu erleben. Erlebnis ist das richtige Wort. Denn Joschka Fischer weiß mit seiner engagierten, kämpferischen Rede ohne Manuskript seine Zuhörer mitzureißen.

Fischer in Magdeburg 24.8.2005 solo
Joschka teilt ordentlich aus. Der Sozialstaat habe mit einer Angela Merkel keine Chance mehr. Denn Prämiensystem und Steuerpolitik seien das Ende einer solidarischen Finanzierung von Gesundheit und Rente. "Ihr habt ein Problem – ihr nehmt Guido Westerwelle nicht ernst. Aber ihr solltet ihn in einer Sache ernst nehmen." Denn von einem vollprivatisierten Gesundheitswesen wären zum Beispiel Behinderte, Chronischkranke und Alleinerziehende ausgeschlossen. "Guckt genau hin, sonst wird euch das Fell über die Ohren gezogen", mahnt er, sich die schwarzen und gelben Pläne anzuschauen.

Gern lässt sich Joschka Fischer von Zwischenrufern anstacheln. So auch heute. "Ihr habt sieben Jahre Zeit gehabt", schallt ihm einer entgegen. Er kontert entschieden. "Lasst euch nicht erzählen, die Probleme seien sofort und von heute auf morgen zu lösen. Lasst es euch vor allem nicht von denen erzählen, die diese Probleme in den 90-er Jahren hätten angehen müssen!"

Resolut reagiert Joschka Fischer auf einen rechten Störer. "Brauner Ungeist, der einst diese wunderbaren Städte zerstörte und Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat, wird in Deutschland nieder wieder herrschen!"

Auch die Linkspartei knöpft er sich vor. Dass Oskar Lafontaine am rechten Rand fische, sei eine "persönliche Enttäuschung".

Finale seiner Rede: Die Wahl ist nicht entschieden. Alles ist noch drin.

Der Applaus am Ende will gar nicht aufhören.

Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt am nächsten Tag: "Wenn Wahlen auch im 21. Jahrhundert auf Marktplätzen entschieden werden, stehen die Chancen wirklich nicht schlecht."

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