Jungen und Mädchen partiell im Unterricht trennen
"Moderne Pädagogik muss die Misserfolge von Jungen als deutliche Symptome ernst nehmen", so Inés Brock, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, in Reaktion auf die aktuelle IGLU-Studie zum Leseverständnis von Kindern. Die Studie zeigt, dass in der Grundschule Jungen gegenüber Mädchen benachteiligt sind. "Noch einmal wird bestätigt, dass das Bildungssystem nicht auf die besonderen Fähigkeiten und Stärken von Jungen abgestimmt ist", so Brock. Nach ihrer Ansicht ist es dringend notwendig, zu erwägen, partiell das gemeinsame Unterrichten von Jungen und Mädchen aufzulösen.
Die bündnisgrüne Landesvorsitzende: "Wenn Jungen zu häufig Misserfolgserfahrungen machen, entsteht eine unberechenbare Dynamik, die sich zum Teil auch in Deutschland bereits zeigt. In den für Rechtsextremismus zugänglichen Jugendmilieus befinden sich vor allem junge Männer. Männer mit niedrigen Bildungsabschlüssen sind die Verlierer auf dem Partnerschaftsmarkt, denn Frauen suchen sich die erfolgreicheren Partner. Auch sind Frauen mobiler und wandern dem sozialen Aufstieg hinterher."
Nach Auffassung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN muss mittelfristig die schulische Alltagsgestaltung verändert werden. Schüler in der mittleren Kindheit mit Misserfolgserfahrungen sollen eine individiuelle Förderung bekommen. Kleineren Jungen am Beginn ihrer Schullaufbahn muss deutlich in Lehrmethodik und Lernstoff entgegengekommen werden.
Brock: "Das Bildungswesen braucht eine geschlechtsspezifische Gesamtstrategie. Auch Mädchen würden von einer teilweisen Trennung von Jungen im Unterricht profitieren, weil sie ihre Bedürfnisse besser ausleben können - etwa in den Naturwissenschaften." Brock sprach von einem neuen Verständnis von Gleichberechtigung, das eher die gleiche Wertschätzung für Unterschiede beinhaltet als einheitliche Standards für alle proklamiert.